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Der Bündner Kreuzstich

Der Begriff «Bündner Kreuzstich» ist weit über Graubünden hinaus bekannt. Charakteristische Materialien sind natürliches Leinengewebe als Stickgrund und Stickgarn in den Farben altrosa, rot oder blau. Früher wurde oft auch ein dunkles Braun verstickt, um dem Gewebe einen edleren Charakter zu verleihen.

Eine perfekte Rückseite, bei der jeder einzelne Faden in die gleiche Richtung läuft, zeichnet den Bündner Kreuzstich aus. Häufig kommen die Motive Herzspross, Sterne, Rosetten oder Ranken mit Blüten oder Blättern vor. Als typisch gilt die sogenannte «Bündner Nelke». Zahlreich erschienene Musterbücher enthalten Vorlagen für den Bündner Kreuzstich. Traditionelle Motive leben auch in modernen Textilkonzepten weiter, indem sie künstlerisch weiterverarbeitet werden.

Der Ursprung
Schon vor über 200 Jahren richteten sich wohlhabende Haushalte vor allem im Engadin mit prächtig bestickten Bettvorhängen, Paradehandtüchern, Tischdecken usw. ein. Die Stickereien hatten ihre Bedeutung an Festtagen (Hochzeit, Geburt, Taufe) und im Alltag und lassen Rückschlüsse auf das damals gültige Frauenbild zu.

Gefördert von Heimatschutz, Frauenschule und Heimatwerk erlebte der Bündner Kreuzstich Ende der 1920er Jahre eine starke Wiederbelebung und wurde als Zeichen einer patriotischen Haltung weit über die Grenzen des Kantons Graubünden bekannt.

Viele Autoren, die sich mit Stickereien befasst haben, sind sich einig: «Nirgendwo in der Schweiz dürfte es in so ausgedehntem Masse Brauch gewesen sein, über eine Fülle reich verzierter Wäschestücke verfügen zu können, um damit den Wohlstand des Hauses zu bezeugen, als wie in Graubünden und da ganz besonders im Engadin» (Zitat Verein für Bündner Kulturforschung).

Der Anstoss zur «Entdeckung» der Bündner Stickereien gab in den 1920-er Jahren Valentin Sutter, Antiquar aus Samedan. Seine Sammlung von über 400 Stücken wurden bis 1930 in mindestens sieben Ausstellungen gezeigt. Sie umfasste nebst Textilien, die mit anderen Stichen verziert wurden, 103 Objekte mit Kreuzstich und 54 Objekte mit Filetstickerei. Nach seinem Tod wurde seine Sammlung vom Rätischen Museum in Chur aufgekauft und kann heute dort besichtigt werden.

Heute – ein rares Gut!
Der Bündner Kreuzstich wird heute aufgrund seiner komplexen und aufwändigen Stickart nur noch selten angewendet.

Die traditionellen Sujets sind jedoch dank der leidenschaftlichen Arbeit der Bündner Stickerin und Autorin Elly Koch (1926 – 2017), die unzählige historische Gewebe und Zeichnungen sammelte und dokumentierte, erhalten geblieben. Elly Koch hat massgeblich dazu beigetragen, dass diese alte Tradition überliefert wurde und heute weiterlebt – auch in der Tessanda!

Grossartige Auszeichnung

Das Bundesamt für Kultur hat 2023 den Bündner Kreuzstich auf die «Liste der lebendigen Traditionen» gesetzt. Damit bekräftigt der Bund sein Engagement für die Wertschätzung und Bewahrung lebendiger Traditionen in der Schweiz und unterstreicht die Vielfalt und Bedeutung dieses kulturellen Erbes, das von Generation zu Generation weitergegeben wird und ein Gefühl von kultureller Identität und Kontinuität vermittelt.

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Unser Angebot

1. Küchentücher mit Ihren Initialen

Früher war es üblich, dass die Alltagswäsche mit den Initialen der Besitzerinnen und Besitzer bestickt waren. Denn die dann zumal  handgewobene Bettwäsche, die Tisch- und Küchentücher waren wertvoll – in ihnen steckte wochen- oder monatelange Arbeit vom Anbau der Leinpflanzen, deren aufwändige Verarbeitung bis hin zum Handweben. Die Wäsche wurde meist am Dorfbrunnen gewaschen. Damit es nicht zu Verwechslungen oder Diebstahl kam, kennzeichnete man seine Ware.

Wir lassen diese Tradition wieder aufleben und besticken das Küchentuch «Pataflöz» aus 100% Leinen im traditionellen Look mit den gewünschten Initialen oder mit Initialen und Herz. Die Buchstaben oder das Herz werden im Bündner Kreuzstich gestickt.

Zu den Küchentüchern

 

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Unser Angebot

2. Mit Bündner Kreuzstich bestickte Standardprodukte

Der Erhalt der Tradition, Alltagsprodukte mit dem Bündner Kreuzstich zu besticken, ist uns wichtig. Deshalb haben wir den Brotsack «Munt pitschen» kreiert: Den Stoff weben wir aus 100% Schweizer Leinen, wobei sich die Kett- und Schussfäden mit gleichem Abstand kreuzen. So entsteht – und das ist wichtig – ein für den Kreuzstich regelmässiges Gewebe. Die gestickten Sujets sind traditionelle Motive aus der Region.

Es geht nichts über ein frisches, knackiges Brot. Der handgewobene und handbestickte Tessanda-Brotsack sorgt dafür, dass Ihre Brote und Brötchen möglichst lange frisch bleiben.

Zum Brotsack

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Unser Angebot

3. Stickkurs «Bündner Kreuzstich»

Es täuscht: Die Technik des Bündner Kreuzstich-Stickens ist nicht so einfach, wie man meinen könnte. Damit die Rückseite der Stickerei genau so perfekt ist, wie sie sein soll, müssen die Grundlagen erlernt werden.

Im Tessanda-Kurs werden der Aufbau und die Technik von einer erfahrenen und geduldigen Stickerin vermittelt. Die Kursteilnehmerinnen sticken verschiedene Motive auf einen Übungsstoff und können sodann ein gewünschtes Sujet auf ein handgewobenes Stück Stoff aus der Tessanda sticken und nach Hause nehmen. Ziel des Kurses ist die Befähigung zur eigenhändigen Herstellung von Original Bündner Kreuzstich-Stickereien.

Wenn Sie diese einmalige, traditionelle Technik erlernen möchten, dann melden Sie sich gleich für unseren Kurs im herrlichen Val Müstair an. Wir freuen uns auf Sie!

Zu den Kursausschreibungen

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Uner Angebot

4. Sticken nach Lust und Laune

Möchten Sie sticken, wie es Ihnen passt? Ob mit Bündner Kreuzstich oder einer der vielen anderen Techniken, unser handgewobener Stoff aus 100% Leinen bietet eine ideale Grundlage dazu.

Wir haben zwei Produkte so vorbereitet, dass Sie sich auf das Sticken konzentrieren können:
a) Den Brotsack «Munt pitschen» zum Besticken – hier
b) Das Nadelkissen «Püt per püt» zum Besticken – hier

Oder kreieren Sie ein Kissen, einen Wandbehang oder vieles mehr mit so viel Stoff, wie Sie dazu benötigen:
c) Der handgewobene Stoff aus 100% Leinen als Meterware – hier

Wir wünschen viel Freude bei Ihrer kreativen Tätigkeit!

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Die Renaissance des Filetstickens in Graubünden

Ende der 1920er Jahre bis hinein in die 60er Jahre gab es eine Wiederbelebung der Stickerei in Graubünden, insbesondere der Kreuzstichstickerei. „Nirgendwo in der Schweiz dürfte es in so ausgedehntem Masse Brauch gewesen sein, den Wohlstand des Hauses durch eine Fülle reich verzierter Wäschestücke zu bezeugen, wie in Graubünden.“ schrieb J.B. Jörger, ein Kenner der Stickereien.

Die Wiederbelebung der Stickereien entstand durch die Zusammenarbeit mehrerer Organisationen und wegen des großen Engagements einzelner Personen, die sich über Jahrzehnte hinweg der Verbreitung des Kreuzstichs in Graubünden widmeten. Zu den wichtigsten Organisationen zählten die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz, die Frauenschule Chur, das 1931 gegründete Bündner Heimatwerk und die Bündner Trachtenstelle. Die Wiederbelebung der Kreuzstichstickerei war für diese Organisationen mit politischen, wirtschaftlichen und pädagogischen Zielen verbunden.

Die Renaissance begann mit der Publikation einer Mappe Ende 1927 mit 60 Vorlagetafeln für die Kreuzstich- und Filetstickerei. Die Stickmotive aus dieser Vorlagemappe wurden von alten Stickereien aus den verschiedenen Tälern Graubündens abgezeichnet. Der grösste Teil der alten Stickereien befand sich damals in privaten Händen. Die Sammlung Sutter, deren Stickereien die wichtigste Quelle dieser Mappe darstellt, war noch im Besitz der Erben von Valentin Sutter.

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