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Traditionelles Handweben

Es klappert, es kracht und knarrt in der Handweberei Tessanda. Die lauten Klänge geben den Rhythmus der Handarbeit an den Webstühlen an. Heute genauso wie vor über 90 Jahren. Eindrücke des Handwebens, die unter die Haut gehen.

Bei der Tessanda weben noch heute ausgebildete oder sorgfältig angelernte Weberinnen nach alter Tradition hochwertige Textilien gänzlich von Hand auf teilweise über 100 Jahre alten Webstühlen. Sie tragen alle einen Namen: Il Grond, Mammut, alte Dame, Ornamaint etc. Es entstehen allesamt exklusive Unikate.

Es braucht viele Jahre Weberfahrung, bis eine Weberin einen Webstuhl für komplizierte Muster aufziehen und diese anschliessend in perfekter Qualität weben kann.

Die Arbeit am Webstuhl erfordert eine ständige Konzentration und ist physisch anspruchsvoll. Den Webstuhl für ein neues Gewebe einzurichten ist eine ziemlich aufwändige Arbeit: Je nach Muster, Grösse und Rohgarn arbeiten bis zwei Weberinnen über zwei Tage lang – tausende von Fäden wollen höchst präzis eingezogen und jeder einzeln verknüpft werden. Echtes handwerkliches Können!

„Handwerk bedeutet feine Fachkenntnisse und die Liebe zum Detail.“

Unser fast 100 jähriges Wissen

1928 hatten die Münstertalerinnen wenig Aussichten auf ein eigenes Einkommen. Sie waren meist Bäuerinnen in der kargen Bergregion und führten ein anstrengendes Leben.

Mit einem mutigen Schritt gründen der Dorfpfarrer Rudolf Filli, die Ramoscher Weblehrerin Floriana Andry und die Handarbeitslehrerin Fida Lori die Handweberei Tessanda in Sta. Maria, um den Münstertalerinnen eine achtbare Arbeitsstelle und die rare Möglichkeit einer anerkannten Fachausbildung als Handweberinnen zu bieten.

1928
Gründung
1939
Ehrenplatz an der «Landi» Zürich
1959
Bezug eigenes Haus
1990
Hausrenovation dank Sammelaktion
2018
90 Jahre Jubiläum

«Aus Geist und Hand das Schöne schaffen.» So lautete die Mission von Fida Lori (1897-1952), der ersten Leiterin der Tessanda. Sie hat mit ihrem idealistischen Gedankengut und mit viel Mut, Ideen und Durchsetzungskraft die Tessanda nachhaltig geprägt. Ungezählte Frauen – und drei Männer – haben seither in der Tessanda eine Arbeitstelle oder Ausbildungstätte gefunden.

Nach sehr erfolgreichen Jahrzehnten bekam die Tessanda, wie alle anderen Handwebereien auch, starke Konkurrenz von den industriell hergestellten Textilien. Der Absatz begann zu stagnieren, viele Handwebereien mussten schliessen. Nur eine geringe Anzahl hat überlebt: Heute ist die Tessanda eine der wenig übriggebliebenen grossen Handwebereien der Schweiz und ein wichtiges Kulturgut des Val Müstair.

Nach der Jahrtausendwende hat das traditionelle Kunsthandwerk in den Industrieländern wieder generell an Beachtung und Wertschätzung gewonnen. Die Suche nach Produkten, die für Qualität, Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit stehen, haben zugenommen. Das kommt auch der Tessanda zugute.

„Weil unsere Produkte wertvoll sind, werden sie vererbt.“

 

60 Jahre Chasa da Tessanda

Welch Freudentag: Am 5. Juli 1959 weihte die Handweberei Tessanda zusammen mit dem ganzen Dorf und Tal ihr neues Zuhause ein!

Ein Jahr zuvor kaufte man nach vielen Beratungen, Zweifeln und schlaflosen Nächten ein ungepflegtes Bauernhaus an der Dorfstrasse in Sta. Maria. Dieses beherbergte früher eine Pastizaria, eine Zuckerbäckerei. Dank grosszügigen Spenden konnte man es umbauen: Der Stall ergab Webräume, die Treppe wurde von der Süd- auf die Nordseite verlegt und neue Fenster brachten mehr Licht ins Haus.

Das Einrüsten des Hauses glich einer Sensation, denn seit vielen Jahren wurde in Sta. Maria nicht mehr gebaut. Am 15. Juni 1959 waren die Weberinnen dann nicht mehr zu halten. Sie begannen einfach, ihre Webstühle am alten Ort abzubauen und die grossen Zainen mit Waren zu füllen. Es wurde fleissig herangeschleppt, geputzt und eingerichtet.

60 Jahre später, wird immer noch in der gleichen Chasa da Tessanda von Hand gewoben. Auf der Strasse hört man das fröhliche Klappern und das deftige Krachen der alten Webstühle. Im Erdgeschoss ist eine Schau-Weberei eingerichtet worden. So können die Passanten den Weberinnen über die Schulter blicken und zuschauen, wie das Gewebe dank den flinken Händen und Füssen Schuss um Schuss wächst.

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90 Jahre Tessanda – überall fröhliche Gesichter

Der Stiftungsrat und die Mitarbeiterinnen der Tessanda blicken auf einen rundum gelungenen und sehr berührenden Jubiläumstag im Sommer 2018 zurück.
Dass wir diesen besonderen Tag mit einem ausserordentlich sympathischen Bundesrat Ignazio Cassis verbringen durften, war ein absoluter Höhepunkt. Er hat uns mit seinem echten Interesse an unserem Handwerk, seinen amüsanten Gesprächen am Mittagstisch, seinen bestärkenden Worten in seiner Rede und seiner zugänglichen Art bei Kaffee und Kuchen tief beeindruckt.

Der Webprozess

Entwerfen
Ideen, Farben, Proportionen und Materialien werden aufeinander abgestimmt und zu realisierbaren Geweben entwickelt.

Berechnen
Die Webvorschrift, welche die Fertigungspatrone, die Materialberechnung sowie die Gewebebreite und -länge beinhaltet, wird erstellt.

Zetteln
Die mehreren hundert Kettfäden, manchmal sogar über tausend, werden auf dem Zettelgestell auf die berechnete Länge geschärt.

Aufbäumen
Sorgfältig wird die Kette am Webstuhl auf die korrekte Breite eingeteilt und aufgebäumt.

Einziehen
Jeder einzelne Kettfaden wird mit viel Achtsamkeit in der genau definierten Reihenfolge in die Schäfte eingezogen.

Verschnüren
Durch das Verbinden der Schäfte mit den Tritten wird das Muster des Gewebes programmiert.

Weben
Das Schiffchen mit dem auf Bobinen aufgespulten Schussfaden wird von Hand mit viel Elan hin und her geschossen. Faden um Faden wächst das Gewebe.

Der letzte Schliff
Das fachmännische Fertigstellen bis hin zum sorgfältigen Nähen und Bügeln schliesst den Herstellungsprozess ab. Fertig ist das Kunstwerk.

Ökologisch, nachhaltig, einzigartig, hochwertig, funktional, stilvoll, traditionell und 100% Herzblut