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90 Jahre Jubiläum – überall fröhliche Gesichter

Der Stiftungsrat und die Mitarbeiterinnen der Tessanda blicken auf einen rundum gelungenen und sehr berührenden Jubiläumstag im Sommer 2018 zurück. Dass wir diesen besonderen Tag mit einem ausserordentlich sympathischen Bundesrat Ignazio Cassis verbringen durften, war ein absoluter Höhepunkt. Er hat uns mit seinem echten Interesse an unserem Handwerk, seinen amüsanten Gesprächen am Mittagstisch, seinen bestärkenden Worten in seiner Rede und seiner zugänglichen Art bei Kaffee und Kuchen tief beeindruckt.

Unser fast 100 jähriges Wissen

1928 hatten die Münstertalerinnen wenig Aussichten auf ein eigenes Einkommen. Sie waren meist Bäuerinnen in der kargen Bergregion und führten ein anstrengendes Leben. Mit einem mutigen Schritt gründen der Dorfpfarrer Rudolf Filli, die Churer Weblehrerin Floriana Andry und Handarbeitslehrerin Fida Lori die Handweberei Tessanda in Sta. Maria, um den Münstertalerinnen eine achtbare Arbeitsstelle und die rare Möglichkeit einer anerkannten Fachausbildung als Handweberinnen zu bieten.

1928
Gründung
1939
Ehrenplatz an der «Landi» Zürich
1959
Bezug eigenes Haus
1990
Hausrenovation dank Sammelaktion
2018
90 Jahre Jubiläum

 

«Aus Geist und Hand das Schöne schaffen.» So lautete die Mission von Fida Lori (1897-1952), der ersten Leiterin der Tessanda. Sie hat mit ihrem idealistischen Gedankengut und mit viel Mut, Ideen und Durchsetzungskraft die Tessanda nachhaltig geprägt. Ungezählte Frauen – und drei Männer – haben seither in der Tessanda eine Arbeitstelle oder Ausbildungstätte gefunden.

Nach sehr erfolgreichen Jahrzehnten bekam die Tessanda, wie alle anderen Handwebereien auch, starke Konkurrenz von den industriell hergestellten Textilien. Der Absatz begann zu stagnieren, viele Handwebereien mussten schliessen. Nur eine geringe Anzahl hat überlebt: Heute ist die Tessanda eine der wenig übriggebliebenen grossen Handwebereien der Schweiz und ein wichtiges Kulturgut des Val Müstair.

Nach der Jahrtausendwende hat das traditionelle Kunsthandwerk in den Industrieländern wieder generell an Beachtung und Wertschätzung gewonnen. Die Suche nach Produkten, die für Qualität, Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit stehen, haben zugenommen. Das kommt auch der Tessanda zugute.

 

Funktionalität und Nachhaltigkeit

Wir glauben daran, dass das handwerklich Hergestellte für das Wohlergehen vieler Menschen wichtig ist. Besonders in dieser schnellen und digitalisierten Welt. Deshalb wollen wir mit unseren Produkten auch Achtsamkeit, Ruhe und Sinnlichkeit schenken.

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und handeln im Sinne des Fortbestands unserer langen Tradition. Wir wissen, dass das, was wir täglich tun, der Ursprung für eine prosperierende und gesunde Zukunft der Tessanda sein muss.

Ökologisch, nachhaltig, einzigartig, hochwertig, funktional, stilvoll, traditionell und 100% Herzblut

Der Webprozess

 

Entwerfen
Ideen, Farben, Proportionen und Materialien werden aufeinander abgestimmt und zu realisierbaren Geweben entwickelt.

Berechnen
Die Webvorschrift, welche die Fertigungspatrone, die Materialberechnung sowie die Gewebebreite und -länge beinhaltet, wird erstellt.

Zetteln
Die mehreren hundert Kettfäden, manchmal sogar über tausend, werden auf dem Zettelgestell auf die berechnete Länge geschärt.

Aufbäumen
Sorgfältig wird die Kette am Webstuhl auf die korrekte Breite eingeteilt und aufgebäumt.

Einziehen
Jeder einzelne Kettfaden wird mit viel Achtsamkeit in der genau definierten Reihenfolge in die Schäfte eingezogen.

Verschnüren
Durch das Verbinden der Schäfte mit den Tritten wird das Muster des Gewebes programmiert.

Weben
Das Schiffchen mit dem auf Bobinen aufgespulten Schussfaden wird von Hand mit viel Elan hin und her geschossen. Faden um Faden wächst das Gewebe.

Der letzte Schliff
Das fachmännische Fertigstellen bis hin zum sorgfältigen Nähen und Bügeln schliesst den Herstellungsprozess ab. Fertig ist das Kunstwerk.