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Das Projekt
Wiederanbau von Flachs in der Val Müstair
Die jahrhundertalte Tradition
Bis vor rund hundert Jahren wurde noch Flachs (Lein) im Val Müstair angepflanzt - so auch in der ganzen Schweiz und an vielen Orten in Europa. Aus dem selbstgesponnenen Leinengarn woben die Münstertalerinnen von Hand Hemden, Bettwäsche und Küchentücher usf. auf ihren traditionellen Webstühlen. Meist waren es Textilien für den Eigengebrauch.
Die Verarbeitung der geernteten Flachspflanzen zu natürlichem Leinengarn ist sehr aufwändig und mühsam. Deshalb verschwanden nach und nach die Flachsfelder mit den schönen blauen Blüten aus dem Val Müstair und aus der ganzen Schweiz. Die Verarbeitung wurde im Vergleich zu anderen Garnen, die meist in fernen Ländern günstig eingekauft wurden, zu teuer.
Flachsfelder sind aber nicht nur gute Garnlieferanten, sie sind auch sehr wertvoll für die Förderung der Biodiversität.
Aus der Flachspflanze (dem Lein) können auch die gesunden und nährstoffreichen Leinsamen, die zu Leinöl weiterverarbeitet werden können, gewonnen werden. Zunehmend findet Flachs auch Verwendung in der Fertigung von Hightech-Werkstoffen.
Der Neubeginn
Die Handweberei Tessanda und der Naturpark Biosfera Val Müstair haben im 2021 gemeinsam das Projekt "Wiederanbau von Flachs in der Val Müstair" lanciert. Seither haben Bauern und einige Privatpersonen Flachs angepflanzt und geerntet.
Der Anbau
Im Bergtal Val Müstair werden die Felder klimabedingt später als im Unterland bepflanzt. Im späten Mai oder Anfang Juni bringt der Bauer die Samen in Reihen auf seinem Feld aus.
Alsbald spriessen die jungen Pflänzchen und wachsen zu ca. 50 bis 70 cm langen Stängeln.
Der Flachs oder Lein entzückt wegen der wunderschönen blauen Blüten, die jedoch nur morgens zu bestaunen sind. Nach wenigen Stunden fallen die Blüten zu Boden. Am nächsten Morgen gehen neu auf.
Im Herbst, nach der Blütezeit, trocknet die Pflanze und Samenzellen bilden sich. Nun kann geerntet werden. Aber Vorsicht: um später möglichst lange Fasern zu gewinnen wird der Flachs oder Lein aus der Erde von Hand mit samt der Wurzel "gezupft", nicht geschnitten.
Die geernteten Stängel werden sorgsam in Reihen für die Röste auf den Boden gelegt. Flachs rösten (auch rotten) bedeutet, dass die geernteten Flachsstängel durch Feuchtigkeit, Mikroorganismen oder Pilze kontrolliert angegammelt, bzw. fermentiert werden, um die Pektine („Pflanzenleim“) aufzulösen, die die feinen Bastfasern mit den harten Holzbestandteilen der Pflanze verbinden. Dieser Röstvorgang ist wichtig, damit die Fasern später aus den Stängeln gelöst werden können.
Nach ein paar Tagen und feuchten Nächten und nach mehrmaligem Umlegen der Stängel wird die Ernte getrocknet und in den Stall eingebracht.
Die Weiterverarbeitung
Für die Weiterverarbeitung der getrockneten Flachsfasern müssen die Stängel geriffelt, gebrochen und gehechelt werden, damit die wertvollen Bastfasern vollständig von den holzigen Bestandteilen getrennt werden können.
Früher wurden die Flachsstängel im Herbst gemeinsam weiterverarbeitet. Der Tag der "Flachs-Brächete" war ein nachbarschaftliches Zusammenkommen der Dorfgemeinschaft, an dem hart gearbeitet wurde. Es war aber auch ein Tag des geselligen Beisammenseins und der Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Erfahren Sie mehr über den bäuerlichen Brauchtum der "Flachs-Brächete" ....
Mitmachen!
Selber Flachs anbauen
Möchten Sie in Ihrem Garten oder Balkon selber Flachs anbauen?
Der Verein "ziehLein" berät und unterstützt Sie dabei gerne.
Infos
Stiftung Manufactura Tessanda Val Müstair
Val Müstair 169
7536 Sta. Maria V.M.
Stiftung Manufactura Tessanda Val Müstair
Val Müstair 169
7536 Sta. Maria V.M.

