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Filetsticken

Im Kanton Graubünden sind unzählige Fenster mit Filetstickereien geschmückt. Die traditionellen textilen Vorhänge mit ihrer grossen Vielfalt an gestickten Motiven sind ein wahrhaftiger Blickfang für die Passanten. Gleichzeitig schützen die Filetvorhänge die Bewohner der Häuser vor unerwünschten Blicken, lassen aber Tageslicht ins Innere.

Die Filetstickereien werden hergestellt, in dem ein Netz (Filet) mit quadratischen Maschen auf einen Rahmen gespannt wird und die Motive sorgfältig mit Füllstichen (Leinenstichen) eingearbeitet werden. Früher knüpften die Frauen die Netze in feineren oder gröberen Fäden in unzähligen Arbeitsstunden noch selber. Heute werden meist vorgefertigte Netze bestickt.

Die auf einem karierten Grund gezeichneten Motive werden sowohl als Vorlagen für Kreuzstich- als auch für Filetstickereien verwendet.

Die Tessanda bietet Filetstickereien an. Einerseits besticken wir Netze für Vorhänge nach Mass, wobei die Motive individuell gewählt und die Masse der Vorhänge von der Kundschaft bestimmt werden können. Zudem vermittelt Annatina, unsere Stickerin, die Methode des Filetstickens in Kursen.

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Annatina, unsere Stickerin

Filetstick-Kurs

Vom 2. bis 4. Februar 2023 findet der erste Filetstick-Kurs im Kloster St. Johann in Müstair statt. Annatina erklärt die Technik des Filetstickens (Leinenstich). Sie üben anhand von Anleitungen und sticken zum Schluss ein eigenes Motiv auf das gespannte Filet.

Wenn Sie mögen können Sie zu einem Spezialangebot im Kloster St. Johann übernachten.

Alle Angaben finden Sie hier

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Die Geschichte des Filetstickens

Der Ursprung der Filetspitze ist nicht genau bekannt, aber schon bei ursprünglichen Völkern war die Herstellung des Netzgrundes für Fischerei und Jagd bekannt. Am Anfang bildeten einfache Maschen den Grund, später kamen Variationen dazu. Die Bereicherungen waren so ausgeklügelt, dass wahre Kunstwerke entstanden. Dieser Art von Arbeit begegnet man in vielen Ländern, immer mit charakteristischen Eigenarten. In der Schweiz hauptsächlich in Graubünden und Greyerz. Jede Spitze hat ihre Spezialitäten, einige kennzeichnen sich durch die gebrauchten Stiche, andere durch ihre Motive.

Die Vorläufer der volkstümlichen Netznadelarbeiten entstanden in kirchlich-klösterlichen Werkstätten, die Altardecken und sogenannte Hungertücher schufen, mit denen in der Fastenzeit die Altäre verhüllt wurden. An diese, vom ausgehenden Mittelalter überlieferte und im 16.-17. Jahrhundert gepflegte Werkart, knüpften die volkstümlichen Arbeiten an.

Die 1870er Jahre waren die Blütezeit der Graubündner Stickereien, die oft in Heimarbeit erstellt wurden. Als wesentlichen Grund für die Einführung der Stickerei-Heimarbeit in Graubünden nannte der Churer Bürger Herold (1779-1856) die Notlage armer Familien, die ihre Kinder den Sommer über gegen „elenden Lohn“ fremden Leuten aus dem Schwabenland überlassen mussten.

 

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Die Renaissance des Filetstickens in Graubünden

Ende der 1920er Jahre bis hinein in die 60er Jahre gab es eine Wiederbelebung der Stickerei in Graubünden, insbesondere der Kreuzstichstickerei. „Nirgendwo in der Schweiz dürfte es in so ausgedehntem Masse Brauch gewesen sein, den Wohlstand des Hauses durch eine Fülle reich verzierter Wäschestücke zu bezeugen, wie in Graubünden.“ schrieb J.B. Jörger, ein Kenner der Stickereien.

Die Wiederbelebung der Stickereien entstand durch die Zusammenarbeit mehrerer Organisationen und wegen des großen Engagements einzelner Personen, die sich über Jahrzehnte hinweg der Verbreitung des Kreuzstichs in Graubünden widmeten. Zu den wichtigsten Organisationen zählten die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz, die Frauenschule Chur, das 1931 gegründete Bündner Heimatwerk und die Bündner Trachtenstelle. Die Wiederbelebung der Kreuzstichstickerei war für diese Organisationen mit politischen, wirtschaftlichen und pädagogischen Zielen verbunden.

Die Renaissance begann mit der Publikation einer Mappe Ende 1927 mit 60 Vorlagetafeln für die Kreuzstich- und Filetstickerei. Die Stickmotive aus dieser Vorlagemappe wurden von alten Stickereien aus den verschiedenen Tälern Graubündens abgezeichnet. Der grösste Teil der alten Stickereien befand sich damals in privaten Händen. Die Sammlung Sutter, deren Stickereien die wichtigste Quelle dieser Mappe darstellt, war noch im Besitz der Erben von Valentin Sutter.

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Grosse Sammlung historischer Stickereien

Der Antiquar Valentin Sutter aus Samedan trug eine über 400 Stücke umfassende Sammlung von Webereien und Stickereien zusammen, die er in verschiedenen Ausstellungen zeigte. Nach seinem Tod wurde die Textilsammlung für das Rätische Museum in Chur gekauft. Die Stickereien und Webereien der Sammlung Sutter kommen vor allem aus dem Unterengadin. Eine beträchtliche Anzahl davon wurde im Oberengadin (besonders aus Samedan, dem Wohnort Sutters) und im Münstertal gesammelt. Nur vereinzelt sind in dieser Sammlung Textilien aus dem Bergün oder dem Bergell vertreten. Die regionale Auswahl, die Sutter getroffen hatte, bestimmt das Bild, welches man sich von den Bündner Stickereien gemacht hat und noch bis heute macht.

Eine weitere wichtige Quelle für die Darstellung der Formen und Verwendungen der Stickereien aus dem 17. bis 19. Jahrhundert sind die Schriften zweier Autoren: Dr. Johann Benedikt Jörger und Pater Notger Curti. Sie basieren hauptsächlich auf den Stickereien der Sammlung Sutter und der damals noch lebendigen Erinnerungen an die Funktionen der Stickereien.

Die Weitergabe der Technik und Muster wurde auch von der Churer Stickmeisterin Elly Koch gefördert. Sie gab viele Kreuzstichbücher heraus und führte seit den 1950er-Jahren erfolgreich ihren eigenen Shop in Chur. Koch leistete auch Pionierarbeit: Sie reiste in die Täler, kopierte historische Muster und rettete so viele Zeugnisse alter Volkskunst. Für ihre Verdienste um den Erhalt des Bündner Stickguts erhielt sie 1983 einen Anerkennungspreis des Kanton Graubünden.

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